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CNC-Maschinen sind das Rückgrat der modernen Fertigung. Doch zwischen den Bearbeitungszyklen steht jemand an der Maschine, öffnet die Tür, entnimmt das fertige Werkstück, legt ein neues Rohteil ein und startet den nächsten Zyklus. Genau diese repetitive Aufgabe lässt sich mit einem Cobot automatisieren. In diesem Artikel erfahren Sie, wie der automatische Werkstückwechsel mit Cobots funktioniert, welche Vorteile er bringt und worauf Sie bei der Umsetzung achten müssen.
Maschinenbestückung – im Englischen „Machine Tending“ – beschreibt den Vorgang, bei dem ein Cobot Werkstücke in eine CNC-Maschine einlegt, den Bearbeitungszyklus startet und nach Abschluss das fertige Teil wieder entnimmt. Der Cobot übernimmt also die Rolle des Bedieners zwischen den Zyklen. Die eigentliche Zerspanung erledigt weiterhin die CNC-Maschine selbst.
Dieses Prinzip funktioniert bei allen gängigen CNC-Verfahren: beim CNC-Drehen, bei dem rotationssymmetrische Werkstücke in ein Spannfutter eingelegt werden, ebenso wie beim CNC-Fräsen, wo das Werkstück in einem Schraubstock oder einer Spannvorrichtung fixiert wird. Auch Schleifmaschinen, Erodiermaschinen und Pressen lassen sich auf diese Weise automatisieren.
Ein typischer Zyklus beim automatischen Werkstückwechsel sieht so aus:
Der gesamte Wechselvorgang dauert je nach Werkstückgröße und Komplexität zwischen 10 und 30 Sekunden. In dieser Zeit steht die Maschine still – der Cobot minimiert diese Nebenzeit erheblich, weil er schneller und konsistenter arbeitet als ein manueller Wechsel.
Die größte Stärke der Cobot-Bestückung: Die CNC-Maschine läuft länger. Ein Bediener macht Pausen, wechselt die Schicht oder ist mit anderen Aufgaben beschäftigt. Der Cobot arbeitet durchgehend – auch in der Nachtschicht, am Wochenende und während der Mittagspause. In der Praxis steigern Betriebe ihre Maschinenauslastung (OEE) mit Cobots um bis zu 30 Prozent.
Das Einlegen und Entnehmen von Werkstücken ist keine anspruchsvolle Tätigkeit – aber sie bindet qualifizierte CNC-Fachkräfte, die eigentlich für die Programmierung, Einrichtung und Qualitätskontrolle gebraucht werden. Mit einem Cobot kann ein Facharbeiter mehrere Maschinen gleichzeitig betreuen: Während der Cobot an Maschine A be- und entlädt, richtet der Bediener Maschine B für den nächsten Auftrag ein.
Ein Cobot legt jedes Werkstück mit derselben Präzision und in derselben Orientierung ein. Das reduziert Ausschuss durch falsch eingespannte Teile und sorgt für reproduzierbare Ergebnisse – Zyklus für Zyklus, Teil für Teil.
Die Investitionskosten für ein Cobot-Bestückungssystem liegen typischerweise zwischen 40.000 und 90.000 Euro – je nach Roboter, Greifer und Integrationsaufwand. Bei regelmäßigem Einsatz amortisiert sich die Investition oft innerhalb von 12 bis 18 Monaten, weil die Maschinenauslastung steigt und Personalkosten sinken.
Damit ein Cobot eine CNC-Maschine automatisch bestücken kann, müssen einige technische Bedingungen erfüllt sein.
Der Cobot muss mit der CNC-Steuerung kommunizieren können. Typischerweise geschieht das über digitale I/O-Signale: Die Maschine meldet dem Cobot, dass der Bearbeitungszyklus abgeschlossen ist. Der Cobot meldet zurück, dass das Werkstück eingelegt und die Tür geschlossen ist. Bei modernen CNC-Maschinen ist diese Schnittstelle oft schon vorhanden oder lässt sich mit geringem Aufwand nachrüsten.
Die Maschinentür muss sich automatisch öffnen und schließen lassen. Viele neuere CNC-Maschinen bieten diese Funktion serienmäßig. Bei älteren Maschinen lässt sich ein pneumatischer oder elektrischer Türantrieb nachrüsten. Alternativ kann der Cobot die Tür auch selbst öffnen – das ist aber langsamer und mechanisch aufwendiger.
Die Spannvorrichtung – ob Spannfutter, Schraubstock oder Nullpunktspannsystem – muss sich automatisch betätigen lassen. Hydraulische oder pneumatische Spannfutter beim Drehen und automatische Schraubstöcke beim Fräsen sind hier Standard.
Der Greifer muss zum Werkstück passen. Für runde Drehteile kommen oft Dreibacken-Greifer zum Einsatz, für prismatische Frästeile Parallelgreifer. Bei der CNC-Bestückung hat sich der Doppelgreifer bewährt: Zwei Greifer an einem Werkzeugflansch ermöglichen es, das Fertigteil zu entnehmen und das Rohteil einzulegen, ohne den Greifer zwischendurch wechseln oder ablegen zu müssen. Das spart wertvolle Sekunden pro Zyklus.
Ein Aspekt, der bei der Planung einer Cobot-CNC-Bestückung oft unterschätzt wird: die Belastung durch Kühlschmiermittel. Bei der Zerspanung entstehen feine Aerosole aus Öl- und Emulsionsnebel, die sich in der gesamten Umgebung der Maschine verteilen. Für den Cobot, der direkt neben oder vor der offenen Maschinentür steht, ist das ein ernstes Problem.
Die feinen Öl- und Emulsionströpfchen setzen sich auf allen Oberflächen ab – auch auf den Sensoren, Dichtungen und elektronischen Bauteilen des Cobots. Die Folgen sind gravierend:
Es gibt mehrere Ansätze, den Cobot vor Kühlschmiermittel-Aerosolen zu schützen.
IP-Schutzklasse des Cobots: Für CNC-Bestückungsanwendungen sollte der Cobot mindestens die Schutzklasse IP65 besitzen – das bedeutet vollständigen Schutz gegen Staub und Schutz gegen Strahlwasser. Einige Hersteller bieten Cobots mit IP67 an, die auch kurzzeitiges Untertauchen überstehen. Vor der Anschaffung sollte die IP-Klasse gezielt geprüft werden.
Ölnebelabsaugung an der CNC-Maschine: Die wirksamste Maßnahme ist, den Emulsionsnebel direkt an der Quelle abzusaugen, bevor er sich in der Umgebung verteilen kann. Mechanische Ölnebelabscheider, die direkt an der CNC-Maschine montiert werden, filtern die Aerosole aus der Maschinenabluft und halten so die Umgebungsluft sauber. Das schützt nicht nur den Cobot, sondern auch die Mitarbeiter und die übrige Hallenausstattung.
Schutzhüllen und Abdeckungen: Spezielle Roboterschutzhüllen aus ölbeständigem Material schirmen empfindliche Gelenke und Steckverbindungen zusätzlich ab. Einige Hersteller bieten maßgeschneiderte Schutzmäntel für ihre Cobots an.
Regelmäßige Reinigung und Wartung: Auch bei guter Absaugung sollten Cobot und Greifer regelmäßig gereinigt werden. Öl- und Emulsionsrückstände auf Greiferflächen, Sensoroberflächen und Steckverbindungen sollten in festen Intervallen entfernt werden – das verlängert die Lebensdauer des Systems erheblich.
Nicht jeder Cobot ist für die Maschinenbestückung gleich gut geeignet. Wichtige Auswahlkriterien sind:
Gängige Modelle für die CNC-Bestückung sind der Universal Robots UR5e und UR10e, der FANUC CRX-10iA und CRX-25iA sowie der KUKA LBR iisy. Alle bieten die nötige Präzision, Tragkraft und Integration für diese Anwendung.
Die Cobot-CNC-Bestückung rechnet sich vor allem in folgenden Situationen:
Bei Einzelstücken oder Prototypen lohnt sich die Einrichtung des Cobots in der Regel nicht – hier ist der manuelle Wechsel schneller.
Der automatische Werkstückwechsel mit Cobots ist eine der effektivsten Maßnahmen, um die Produktivität in der CNC-Fertigung zu steigern. Der Cobot übernimmt die monotone Bestückungsarbeit, während sich die Fachkräfte auf das konzentrieren, was wirklich zählt: Programmierung, Einrichtung und Qualitätssicherung. Die Maschine läuft länger, die Qualität bleibt konstant und der Einstieg ist – verglichen mit klassischen Automatisierungslösungen – schnell und kostengünstig.
Wichtig ist, die Arbeitsumgebung mitzudenken: Wer in einer CNC-Umgebung mit Kühlschmiermitteln arbeitet, sollte von Anfang an auf eine wirksame Ölnebelabsaugung und einen Cobot mit ausreichender IP-Schutzklasse setzen. Dann steht einer zuverlässigen und langlebigen Automatisierung nichts im Weg.
Beitragsbild: Competence_Techno/ Pixabay; Lizenz via. Canva.com